Emilie von Binzer
1801 - 1891

Emilie von Binzer

Emilie von Binzer, geborene von Gerschau, wurde am 6. April 1801 in Berlin geboren. Sie war seit Kindheitstagen an die große Gesellschaft gewöhnt. Ihre Pflegemutter, die Herzogin Wilhelmine von Sagan, bekannt als die „First Lady“ des Wiener Kongresses, hatte sich auf ihrem Schloss in Sachsen mit berühmten Männern umgeben, zu denen u.a. Goethe, Jean Paul und der berühmte Maler Anselm Feuerbach  gehörten. Dies machte auf die junge Komtess Emilie, die durch überragende Intelligenz auffiel, großen Eindruck.

1822 heiratete sie August Daniel von Binzer, der bald in Leipzig Redakteur der „Zeitung für die elegante Welt“ wurde. Sie war Gastgeberin für zahlreiche bedeutende Künstler, wie z.B. Mendelssohn, Liszt und Auerbach.

Dem Paar wurden fünf Kinder geboren. 1845 übersiedelte die Familie nach Wien. Der Salon Binzer galt in Wien und später in Linz, wohin die Familie im Revolutionsjahr 1848 ihren Wohnsitz verlegte, als ein Mittelpunkt des künstlerischen und gesellschaftlichen Lebens.

Unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ veröffentlichte sie die Novellensammlung „Mohnkörner“. Mit dem Buch „Drei Sommer im Löbichau“ vermittelte sie der Nachwelt eine aufschlussreiche Schilderung der gesellschaftlichen Verhältnisse am Ende der Napoleonischen Ära. Sie verfasste viele Novellen und Erzählungen und errang bei einem Wettbewerb des „Österreichischen Lloyd“ einen zweiten Platz. Adalbert Stifter fand ihre Erzählungen „wunderschön“, auch Theodor Storm und Franz Grillparzer zollten ihr Anerkennung. Sie schrieb auch Werke, die am Hoftheater aufgeführt wurden.

Zum Freundeskreis Zedlitz gehörend, entschloss man sich schon 1848  – über Rat des Freundes Adalbert Stifter – ein Haus in Altaussee zu kaufen. So wurde das Haus Fischerndorf Nr. 39 und danach auch Fischerndorf Nr. 59 erworben. Freiherr von  Zedlitz und Familie von Binzer verband eine enge Freundschaft und der vornehme und große Bekanntenkreis folgte nach Altaussee und man kann wohl vom Beginn der „literarischen Sommerfrische“ in Altaussee sprechen.

Folgendes war für Emilie von Binzer von großer Bedeutung: Erzherzog Maximilian, Bruder des Kaisers Franz Joseph I., suchte eine Beraterin zur Durchsicht seiner Reiseberichte, Tagebücher und Gedichte, ehe sie veröffentlich wurden. Über persönliche Empfehlung Grillparzers fiel die Wahl auf Emilie von Binzer. Sie wurde dem jungen Erzherzog eine mütterliche Freundin, für die er tiefe Verehrung zeigte. Im Schloss Miramare, in das sie wochenlang eingeladen war, soll ihr Bildnis auf seinem Schreibtisch gestanden sein.

Er war auch in Altaussee bei Emilie von Binzer zu Besuch und richtete viele Briefe an sie an die Altausseer Adresse.

Maximilian, der als „unglücklicher Kaiser von Mexiko“ in die Geschichte einging, schrieb aus Queretaro, bevor er von den Republikanern 1867 zum Tode verurteilt und erschossen wurde, an Emilie Binzer folgenden Brief:
„ Verehrte Baronin! Noch einmal sei es mir vergönnt, bevor ich schuldlos einem unverdienten Tod entgegengehe, einige Zeilen rasch an Sie zu richten, um Ihnen mit ganzer Innigkeit und voller Seele für die mir stets liebreich bewiesene Freundschaft und meinem Herzen so wohltuende Anhänglichkeit zu danken. Möge Gott Ihnen, verehrte Frau Baronin, und Ihrer werten Familie Glück und Frieden schenken. Indem ich Sie bitte, Ihre werte Familie nochmals herzlichst zu grüßen, verbleibe ich Ihr Ihnen aufrichtig ergebener Maximilian!“

Innerhalb weniger Monate verlor Emilie von Binzer jene Menschen, die ihr am liebsten waren: Nach dem Tod Maximilians verstarb Adalbert Stifter und wenige Wochen später, am 20. März 1868, ihr Gatte. Sie übersiedelte zu ihrem Sohn nach München.

Nach dem Tod des Vaters übernahm Sohn Karl von Binzer, der verwitwet war und zwei Söhne hatte, die zwei Häuser in Altaussee. Das Haus Fischerndorf Nr. 59, das sein Vater für ihn als Atelier erbauen ließ, baute Karl ebenfalls zur Villa aus, damit er jedem seiner Söhne ein bewohnbares Haus hinterlassen konnte. Adolf Christian, der deutscher Offizier geworden ist, erhielt Fischerndorf 39 und August, bayrischer Regierungsbeamter, übernahm Fischerndorf Nr. 59. Als Folge des Ausgangs des ersten Weltkrieges wurde in Deutschland von Beschlagnahme allen ausländischen Vermögens für Reparationsleistungen gesprochen, weshalb sich die Brüder von Binzer zum Verkauf ihrer Villen entschlossen. Ernst Königsgarten kaufte das einstige Atelier und Rudolf Stiassni das Haus Nr. 39.

Als Sommergast war Emilie von Binzer bis 1878 Altaussee treu geblieben. Ihr Augenlicht wurde immer schwächer und daher das Reisen zu beschwerlich. Kurz vor ihrem 90. Geburtstag, am 9. Februar 1891, verstarb sie in München.

Museumseintritt

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