Ferdinand Strobl von Ravelsberg
1858-1914

Ferdinand Strobl von Ravelsberg

Ferdinand Strobl von Ravelsberg wurde am 27. Dezember 1858 in Sadska/Böhmen geboren. Sein Vater war Oberstleutnant und sah für seinen Sohn ebenfalls die Offizierslaufbahn vor. Ferdinand erhielt in der Militärakademie Wiener Neustadt seine Ausbildung und Erziehung, wurde 1879 als Leutnant ausgemustert und dem Dragonerregiment Nr. 12 zugeteilt.
Bereits in der Militärakademie regte sich seine musische Begabung und er versuchte sich auf lyrischem und epischem Gebiet. Das Soldatenleben ließ für seine Neigungen jedoch vorerst nur wenig Raum. Als junger Kommandant einer Militärreitschule in Znaim ergab sich eine erste Gelegenheit: Er schrieb die „Geschichte des k.u.k. Dragonerregiments Nr. 12, seit seiner Errichtung bis zur Gegenwart, 1789 – 1890“. Das Werk erschien 1890 in einem Wiener Verlag und  wurde später auch in die slawische, ungarische und französische Sprache übersetzt. Mit dieser Dokumentation erregte er die Aufmerksamkeit maßgeblicher Vorgesetzter. Er wurde zum Generalstab abkommandiert, der heeresgeschichtlichen Abteilung des k.u.k  Kriegsarchivs zugeteilt und später an  das Institut für österreichische Geschichtsforschung an der Wiener Universität berufen. Bei Nachforschungen im Archiv stieß Strobl von Ravelsberg auf die Originalakte des Hochverratsprozesses gegen Theroigne de Mericourt, die „Amazone der Französischen Revolution“, der 1791 in Kufstein geführt worden war. Aus diesem dramatischen Stoff verfasste er einen Roman, der 1892 in Paris veröffentlicht wurde und auch in England, Italien und Deutschland Aufsehen erregte.  In seinem nächsten Prosawerk befasste er sich mit einer weiteren historischen weiblichen Persönlichkeit: mit der beispiellos grausamen ungarischen Gräfin Nadasdy-Bathory. „Die Blutgräfin“ erschien 1894 in Breslau unter dem Pseudonym R.A.v.Elsberg. Unter diesem Pseudonym erschienen in verschiedenen Druckschriften immer wieder Novellen, meist mit humoristischen Inhalten.
Im März 1895 heiratete er Maria Freiin Sochor von Friedrichsthal, deren Familie des k.u.k. Hofrates Dr. Eduard Sochor von Friedrichsthal, Generaldirektor der Carl-Ludwig-Bahn und Reichsratsabgeordneter aus Wien, schon viele Jahre  ihren Urlaub in Altaussee verbrachte. Seit dem Jahr 1898 kam fortan auch die Familie Strobl von Ravelsberg – meist aus dem fernen Galizien -  mit Kindern und Dienerschaft jeden Sommer nach Altaussee und bezog im Hause Fischerndorf Nr. 53, nahe der Kirche, ihr Urlaubsquartier.

Nach der Rückkehr Strobl von Ravelsbergs in die Armee verfasste er die Monographie „Die ungarische Donauarmee 1848/49“, unter dem Pseudonym Anatole Wacquant.
Sein literarisches Schaffen während der folgenden Jahre befasste sich u.a. mit den historischen Persönlichkeiten Fürst Metternich, Feldmarschall Radetzky und Graf Stadion. 1908 erhielt er den Franz-Joseph-Orden. 1911 wurde er in den Ruhestand versetzt.
Im Jahr 1914 wurde in Leipzig sein Buch „Gestalten aus der Kongresszeit – Skizzen und Studien“ herausgebracht – es war sein letztes. Auch in jenem Sommer 1914, als am 1. August der Erste Weltkrieg ausgebrochen war, befand sich Strobl von Ravelsberg in Altaussee auf Urlaub. Der Überlieferung nach hielt es der dienstbeflissene Offizier nicht für möglich, dass in dieser historischen Stunde die Armee nicht auf seinen persönlichen Dienst zurückgreife, und er erwartete täglich die Einberufung zu seinem Regiment; diese traf aber nicht ein. Am 19. August 1914 erlag er einem Herzversagen. Drei Tage später wurde er am Altausseer Friedhof begraben.

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